Von Affen und Engeln

 Ch. Nussbaumeder

R: Bernarda Horres
B: Anja Jungheinrich
K: Jessica Karge
M: Dieter Fischer
Ruhrfestspiele-Recklinghausen
P: 13.05.2015

sophiensäle-berlin
P: 19.12.2015

Mit: Anna Eger, Martin Engler, Florian Feigl, Gabriele Gysi, Thorsten Heidel, Angelika Sautter, Max Thommes

Foto: © Michaela Schenkirz, Joachim Dette

Rezensionen

„Von Affen und Engeln“ feierte Uraufführung bei den Ruhrfestspielen

Der Westen

Der bayrische Dramatiker Christoph Nußbaumeders kommt auch mit seinem neuesten Werk, „Von Affen und Engeln“, bei den Ruhrfestspielen gut an.

Recklinghausen. Ausbeutung und Überwachung hinter bunter Amüsierkulisse: Christoph Nußbaumeders „Von Affen und Engeln“ ist in Recklinghausen uraufgeführt worden. Die Ruhrfestspiele setzen auf den bayerischen Dramatiker.

Talentierter Dramatiker der jungen Generation

Christoph Nußbaumeder wurde schon nach seinem Debüt „Mit dem Gurkenflieger in die Südsee“ als Dramatiker in die Nähe von Franz Xaver Kroetz gerückt. Der „Gurkenflieger“, ein engagiertes Stück über das Leben von Landarbeitern, wurde 2005 bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt. Das Talent des jungen Dramatikers wurde sofort erkannt, seine Stücke ihm aus der Hand gerissen und an erstklassigen Theatern wie der Berliner Schaubühne oder dem Schauspielhaus Köln gespielt.

Die Ruhrfestspiele blieben Nußbaumeder, der wie Kroetz und Brecht aus Bayern stammt, treu. Vor zwei Jahren präsentierte das vom Deutschen Gewerkschaftsbund mitgetragene Festival die Uraufführung von „Mutter Kramers Fahrt zur Gnade“. Da hatte sich der hoffnungsvolle Anfänger, Jahrgang 1978, bereits zu einem angesehenen und erfolgreichen Dramatiker der jüngeren Generation gemausert.

Am Mittwoch folgte der dritte Streich: Die Ruhrfestspiele brachten in Koproduktion mit den Sophiensælen Berlin die Uraufführung „Von Affen und Engeln“ auf die Bühne – in der Halle König Ludwig 1/2, Werkstattbühne der Ruhrfestspiele.

Ein Volkstheaterstück

„Von Affen und Engeln“ ist ein Volkstheaterstück, es handelt von der Arbeit auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Die Arbeit ist miserabel, schlecht angesehen, wer hier als Weihnachtsmann oder Hauptmann von Köpenick auftritt, hat nichts zu lachen, wer hier Geschenke oder Würstchen feil bietet, wird doppelt ausgebeutet. Nach der Standmiete kassiert die Marktleiterin noch einmal ab und errichtet ein heimliches Überwachungssystem. Versuche der Betroffenen, sich dagegen zum Streik zusammenzuschließen, bleiben stecken.

Einem von ihnen, einem Sonderling, gelingt es, Hoffnung zu wecken: Er will ganz neue Energien nutzbar machen, besser als das Perpetuum mobile. Ein genialer Erfinder? Wohl nur ein Scharlatan, der aber Hoffnungen weckt.

Nußbaumeder wählt als zentrale Metapher für die Welt den Jahrmarkt, wo Bertolt Brecht noch das Schlachthaus („Heilige Johanna der Schlachthöfe“) bevorzugt hatte.

Das Stück ist besser als die Inszenierung. Bernarda Horres, die Regisseurin, rückt die Hoffnung in den Mittelpunkt der Uraufführung. Sie wird als überlebensgroßes Plastikglücksschwein sichtbar, das ein vierblättriges giftgrünes Kleeblatt in der Schnauze trägt.

Den anderen Szenen fehlt aber dieser Witz. Das achtköpfige Ensemble gibt sich Mühe, wirkt trotzdem aber oft unnatürlich, hölzern, gekünstelt. Nur Fritz, ein ehemaliger Schauspieldirektor, wirkt glaubhafter. Er wird von Alfred Kirchner, einem ehemaligen Schauspieldirektor verkörpert – eine reizvolle Doppelung von Leben & Kunst. Trotzdem: Das Stück ist besser als die Inszenierung.

Nußbaumeder kam zur Uraufführung nach Recklinghausen und nahm gemeinsam mit dem Ensemble den freundlichen Schlussbeifall entgegen. Seine nächste Uraufführung hat das Schauspielhaus Bochum schon für den 12. September angekündigt: „Das Fleischwerk“. Die Sterne stehen günstig, das Schauspiel Bochum ist ungleich leistungsfähiger als die Sophiensæle aus Berlin. (dpa/lnw)

Deutschlandfunk Kultur